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Die Inseln

Färöer

Fläche: 1.399 qkm
Bevölkerung: 48.574 (1. Januar 2011)
Durchschnittliches Jahreseinkommen: 22.090 $
Staatsform: Dänisches Territorium mit Selbstverwaltung, kein EU-Mitglied
Hauptstadt: Torshavn (12.333 Ew.)
Amtssprache: Färöisch
Religion: 91% Lutheraner,>1% röm.-kath.
Uhrzeit: GMT
Währungseinheit: Färöische Krone
Wirtschaft: Schafhaltung, Fischprodukte
Geschichte: seit 1709 direkt der dänischen Verwaltung unterstellt
1856 beschränkte Autonomie
während des zweiten Weltkrieges: Besetzung durch brit. Truppen
1948 Erweiterung der Autonomierechte
1968-72 selbstständiges Mitglied der EFTA
1990er Zusammenbruch des färöischen Finanzwesens


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Kurioses – Wer hätte das gedacht?!„Färöer kann man vergleichen mit…-…mit Färöer!“, diesen Satz gab mir vor vielen Jahren mein alter Universitätslehrer mit auf die Reise und er hat seine Gültigkeit in keiner Weise verloren.

Das für ein oder zwei Schüler, die auf entlegenen Inseln leben, ein Lehrer per Helikopter eingeflogen wird, gibt einen ersten Eindruck, warum man Färöer nur schwer mit anderen Ländern vergleichen kann. Besagter Helikopter wird übrigens als öffentliches Verkehrsmittel genutzt. Wenn die Bäuerin von Mykines, der westlichsten Insel, zum Shopping gehen will, fliegt sie schnell mal in die 46,5 km entfernte Hauptstadt, und das für einen Preis, der billiger als jeder Strafzettel für zu schnelles Fahren ist.

Die Geschichte der Färinger begann vor über 1.000 Jahren, als Harald Hårfager alle norwegischen Kleinkönige unter seine Herrschaft bringen wollte. „Da könnte ja jeder kommen“ dachten sich die späteren Färinger und Isländer und suchten das Weite. Man sagte, wer nicht ganz so viel Angst vor dem langen Arm Haralds hatte, ließ sich auf den Färöern nieder. Die größeren Angsthasen segelten weiter bis nach Island. Fragt man allerdings die Isländer, weshalb einige bereits auf den Färöern die Boote verließen, heißt es, dass man auf den Färöern nur die Seekranken zurückgelassen hat. Ob dies wohl der Grund ist, weshalb im weiteren Verlauf der färöischen Geschichte das seemännische Geschick regelrecht verlernt wurde und man sich fortan nur noch auf die Landwirtschaft konzentrierte? Dass man über 800 Jahre nach der Wikingerära ein hochseetüchtiges Boot „wiedererfinden“ musste, ändert jedenfalls nichts an der Tatsache, dass die Personen- und Autofähre „Smyril“ jahrzehntelang von einem Kapitän gesteuert wurde, der hochgradig seekrankheitsgefährdet war.

Nachdem sich gegen Ende des 19. Jh. die Bauerngesellschaft in eine Fischereination wandelte, stand die Nahrung aus dem Meer wieder im Mittelpunkt des Tagesgeschehens und wurde wichtiger Bestandteil der Nahrungskette. Doch die Färinger rutschten auch in den Focus von Umweltschützern, und plötzlich sah sich ein kleines Volk als hilfloses Glied inmitten der Nahrungskette: Grill – Grindwal – Färinger – Greenpeace. Walfleisch kaufen kann man allerdings nirgends, Fisch aus dem Nordatlantik hingegen schon. Doch warne ich jeden Feinschmecker, Fisch im Supermarkt zu erstehen. Die wohl schlechteste Scholle meines Lebens stammt aus einem färöischen Kühlregal: Eine Scholle, die wohl eher an den Fischbestand des Galliers Verleihnix erinnerte als an eine fangfrische Leckerei aus dem Nordatlantik. Beschämt ließ ich mir erklären, dass man Fisch immer nur am Hafen kauft bzw. von einem verwandten Fischer geschenkt bekommt.

Aber nicht nur Fisch gibt es am Hafen. Kurz vor Weihnachten herrscht Hochbetrieb am Kai. „Nur weil es bei uns keine Tannenbäume gibt, wollen wir doch nicht auf ein schmuckes Weihnachtsbäumchen verzichten!“ sagt der Färinger und wartet auf zwei große Frachtschiffe aus Norwegen und Dänemark, die bis unters Deck voll Tannenbäume stecken. Mit den Bäumen hat man so seine eigenen Erfahrungen auf den nahezu baumlosen Inseln. Automobilclubs hätten ihre wahre Freude an den Färöern, weder Alleen noch Straßenkreuzungen, an denen ein Baum die Sicht versperrt. Die blauen Rastplatzschilder, die man auf den Inseln immer wieder sieht, haben neben Tisch und Bank dennoch einen Baum als Symbol vorzuweisen. Man will im internationalen Verkehrszeichendschungel einfach keine halben Sachen machen. Bei Feiertagen hingegen schon. Halbe Feiertage sind nichts ungewöhnliches, feiern kann man trotzdem. Der Nationalfeiertag wird dagegen gleich zwei Tage lang gefeiert. Dass es der Namenstag eines katholischen Heiligen ist, der hier zelebriert wird, scheint glücklicherweise niemand im protestantischen Land vom Feiern abzuhalten. Dennoch oder gerade deshalb sind Glaube und Kirche wichtige Stützen der färöischen Gesellschaft. Dementsprechend ist es nicht erlaubt, am Sonntagvormittag, wenn überall Gottesdienste stattfinden, Sport zu treiben und Angeln geht man ohnehin nur an Werktagen. Seit es elektrisches Licht gibt, glaubt man übrigens auch nicht mehr an Trolle.

Auf der Insel Vágar konnte man sich nach der britischen Besatzungszeit im 2. Weltkrieg problemlos darauf einigen, den Linksverkehr wieder abzuschaffen. Bei der Benennung des größten färöischen Binnengewässers, das ebenfalls auf Vágar liegt, ist man sich dagegen ganz und gar nicht einig. Dementsprechend wird der See in offiziellen Landkarten sowohl als Leitisvatn als auch Sørvágsvatn bezeichnet. Meinungsfreiheit für alle! Geschmacksfreiheit für neongrünen Kuchen ist demzufolge kaum erwähnenswert.

Um am Puls der Zeit zu bleiben, hält seit einigen Jahren auch die schwäbische Kehrwoche Einzug im hohen Norden! Der Preis für das gepflegteste und sauberste Dorf der Inseln ist begehrt und wird jedem Besucher plakativ am Ortseingang vor Augen geführt.

Und dass aus Ermangelung eines Werbeplakates der Frisör auch schon mal das Konterfei von Mel Gibson – mit perfekter Föhnfrisur versteht sich – ins Schaufenster hängt, scheint dann auch niemanden mehr wirklich zu verwundern.

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szmtag